Was ist der LMP?

Was Hunger ist, wissen die meisten von uns doch nur, wenn wir mal wieder irgendeine Diät ausprobieren. Hunger aus Armut? In Deutschland?
Bittere Realität. Vielleicht nicht immer der Hunger, aber die Armut. Mitten in Deutschland, mitten unter uns. Auch in Sassenberg.
Deshalb gibt es seit dem 17. Oktober 2008 auch in Sassenberg eine sogenannte Tafel, den „Lebens-Mittel-Punkt“. Die ökumenische Initiative der evangelischen und katholischen Kirche sowie der Kolpingfamilie wurde vor gut einem halben Jahr auf den Weg gebracht. Die Reaktion war erfreulich gut. Aber leider war sie ebenfalls erschreckend gut.
55 Körbe sind es bereits – und das ist das Erschreckende -, die die ca. 60 ehrenamtlichen Mitglieder Woche für Woche packen. 55 Körbe stehen für 55 Haushalte. Familien, Einzelpersonen oder Alleinerziehende. 55 Körbe, die Zahl steht für 123 Menschen, davon 45 Kinder, die auf Hilfe angewiesen sind, weil sie sich selbst nicht helfen können. (Stand: November 2008).
Dass die 55 Körbe gefüllt werden können, ist das erfreulich Gute. Denn das Engagement der genannten Beteiligten und Helfer alleine würde nicht reichen, die Waren mit denen die Körbe gefüllt werden sind wichtig. Zahlreiche Firmen haben sich spontan bereit gefunden, von nun an dem „Lebens Mittel Punkt“ kostenlos Produkte zur Verfügung zu stellen. Und dies sind dankenswerterweise sogar nicht nur Dinge, die kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeitsdauer stehen.
„Manche helfen besser als gehofft“
Frisches dampfendes Brot und ein ganzer Sack voller knuspriger Brötchen duften an diesem Freitag morgen um 10.00 Uhr in den Vergaberäumen der Sassenberger Tafel am Gebrasa Gelände (Schloßstrasse). Phillipp Röhl, der Vorsitzende der Aktion, lächelt zufrieden über das großartige Engagement der ortsansässigen Firmen. Die Körbe sind schon recht gut gefüllt. Wurst ist da, vom Discounter und auch von Wiltmann aus der Nachbarstadt. diverse andere Dinge, darunter Obst und Gemüse. Die Kartoffeln kommen von der Warendorfer Tafel. „Wir tauschen aus, und für den Spender, die Genossenschaft in Beelen, ist es ganz praktisch, wenn nur einmal abgeholt wird.
„Landwirte könnten helfen“
Doch vieles wird noch gebraucht. „Grundnahrungsmittel in erster Linie!“ sagt Röhl. Denn Nudeln, Reis, Salz, Zucker und Dosenware ist ja meist noch lange haltbar – kein Grund für die Spender, sie wegen der Haltbarkeit abzugeben. Da ist die Tafel auf andere Quellen angewiesen. Drogerieartikel und andere Artikel des täglichen Bedarfs werden ebenfalls gerne angenommen. Auch die Landwirte sind gefragt: Haben Sie Überschüsse, die Sie nicht brauchen? Vor allem Kartoffeln aber auch andere Agrarprodukte können besser helfen, anstatt dass sie zu Kompost gemacht werden Und wenn noch mehr Lebensmittelgeschäfte donnerstags - der Tag des Einsammelns - auf bald ablaufende Milchprodukte verzichten könnten, wäre dies ebenfalls ein großer Gewinn für die Tafel.
Genau genommen, ein großer Gewinn für die Menschen, die auf die Hilfe angewiesen sind. Nicht unbedingt aus Hunger, aber was durch die günstigen Waren aus der Tafel – der Obolus beträgt 1 Euro – gespart werden kann, kann für andere Anschaffungen genutzt werden. Kleidung, Schulsachen und vieles mehr.
„Wir arbeiten gut mit der Kleiderkammer zusammen.“ erläutert Röhl, der neben dem bereits erwähnten Engagement der spendenden Firmen ebenso das Hilfsbereitschaft und Mitarbeit anderer Stellen lobt. „Die Ämter haben uns wo es ging den Weg geebnet!“ sagt er und erwähnt zudem die relativ günstige Miete auf dem Gebrasa Firmensitz.
Doch auch wenn die Tafel gut angelaufen ist, die Beständigkeit wird über den Erfolg entscheiden. Das weiß auch Röhl, der hofft bereits einen Großteil der Bedürftigen über die Tafel informiert zu haben. „Wir haben in allen Kindergärten und Schulen Infos an alle Kinder verteilt und auch in den Lebensmittelgeschäften Infos ausgelegt.“ berichtet er. Trotzdem wird sich die Zahl der Anspruchsberechtigten sicher noch erhöhen. Beratung gibt es beim „Lebens-Mittel-Punkt“ zur Ausgabe freitags morgens von 10.00 bis 11.00 Uhr und selbstverständlich beim Sozialamt der Stadt Sassenberg.
Menschen, die den Lebens-Mittel-Punkt in Anspruch nehmen möchten, können hierfür einen Berechtigungsschein beim Amt für soziale Angelegenheiten der Stadt Sassenberg beantragen. Der Antrag ist ebenfalls hier auf der Startseite der Homepage zum Downloaden zu finden.
Empfänger von Hartz IV-Leistungen, Sozialhilfe, Grundsicherungsleistungen sowie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz weisen ihre Bedürftigkeit mit dem Leistungsbescheid nach. Andere Personen mit geringem Einkommen müssen Einkommensnachweise beizufügen.

Ansprechpartner:
Philipp Röhl, Tel. 0160/90575153
Pfarrer Michael Prien, Tel. 02583/1028
Pfarrer Andreas Rösner, Tel. 02583/94059

Sassenberg, 08.10.2010
"Lebens-Mittel-Punkt soll eingetragener Verein werden"

"Im Oktober 2008 nahm die Initiative "Lebens-Mittel-Punkt", ein Zusammenschluss der Kirchen vor Ort in Sassenberg und Füchtorf sowie der Kolpingfamilie und der Stadt Sassenberg ihre Arbeit auf. Grundidee ist es seitdem, Nahrungsmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden, aber qualitativ noch einwandfrei sind, z. B. Obst mit kleinen Schönheitsfehlern, Brot vom Vortag, Fehlabfüllungen sowie Produkte kurz vor dem Verfallsdatum einzusammeln und an Bedürftige zu verteilen.
Was am 17.10.2008 mit der erstmaligen Ausgabe von 30 Körben an Bedürftige an der Schloßstraße 5 begann, hat sich zwischenzeitlich zu einer festen Institution entwickelt. Heute packt der Lebens-Mittel-Punkt wöchentlich rd. 130 Körbe und versorgt somit mehr als 300 Einzelpersonen, Familien und Kinder mit einem zusätzlichen Nahrungsmittelangebot.
Die Räumlichkeiten an der Schloßstraße 5 erwiesen sich nach fast zwei Jahren als zu klein, um den Besucherströmen als auch der Logistik gerecht zu werden. Somit zog der Lebens-Mittel-Punkt im Sommer diesen Jahres in die neu angemieteten Räume am Klingenhagen 2 - 4. In den zurückliegenden zwei Jahren hat der Lebens-Mittel-Punkt viel Unterstützung in Form von ehrenamtlichen Helfern, Sachleistungen und Geldspenden erhalten. So konnte durch großzügige Spenden der heimischen Wirtschaft sehr schnell ein Kühlanhänger beschafft werden, um leicht verderbliche Waren zu transportieren, bzw. die Kühlkette während des Transportes nicht einreißen zu lassen. In den vergangenen Wochen konnte dann auch noch ein VW Bulli als Spende der RWE AG entgegen genommen werden.
Nach zwei Jahren möchte der als Initiative gestartete Lebens-Mittel-Punkt seine Basis nunmehr auf einen eingetragenen Verein stellen. Aus diesem Grund lädt der Lebens-Mittel-Punkt alle interessierten Bürger, Förderer, Unterstützer und Institutionen zur Gründungsversammlung am 15.10.2010 um 19:00 Uhr in das evangelische Gemeindehaus, Schückingstraße, 48336 Sassenberg, ein. Neben der Eintragung ins Vereinsregister ist auch die Anerkennung als Gemeinnütziger Verein vorgesehen"


Durch die Gründungsversammlung am Freitag, den 15. Oktober 2010, sind die Voraussetzungen für die Eintragung des
"Lebens-Mittel-Punkt" als eingetragener Verein ("Lebens-Mittel-Punkt e.V.") geschaffen worden.
Auf der Gründungsversammlung wurden gewählt:

Vorsitzender Philipp Röhl
Stellvertreter Hildegard Nährig
Kassierer Gerhard Schütz
Schriftführer/Presse Helmut Helfers

Beisitzer:
Budde Anni
Duschel Iris
Hennemann Ludger
Klösener Josef

Präses Pfarrer
Prien Michael
Rösner Andreas

zwei Kassenprüfer
Frau Reinhild Metten
Frau Schwienher

Organisator für die Lebensmittelausgabe in Füchtorf Frau von Ketteler
Organisator für die Lebensmittelausgabe in Sassenberg Christa Bornhagen



Die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister wird nun beantragt. Gleichzeitig wird ein Antrag auf Annerkennung als gemeinnütziger Verein beim Finazamt in Warendorf gestellt.